In Deutschland waren 2019 2,2 Millionen Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung im Job krankgeschrieben. Das ist jeder 18. Arbeitnehmer. Dieser Wert ist erschreckend, denn psychische Krankheiten sind vermeidbar. Welche Vorkehrungen ein Arbeitgeber treffen kann oder wie er gefährdete Mitarbeiter unterstützen kann, werden wir in den nächsten Wochen auf unserem Blog erläutern. Doch zuerst ist es wichtig, einen Überblick über die Zusammenhänge beim Thema psychische Gesundheit und Demografie zu erhalten: Welche Personengruppen sind aus welchen Gründen besonders für psychische Erkrankungen gefährdet?
Welche personenbezogenen Aspekte spielen eine Rolle?
Wenn man in die Statistiken der Arbeitnehmerbefragungen schaut, fällt auf, dass immer bestimmte Personengruppen von denselben Problemen und psychischen Belastungen am Arbeitsplatz berichten. Eine verstärkte Belastung ist zum Beispiel in bestimmten Berufsbereichen zu finden. Lehrer, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Ärzte und Polizeibeamte haben ein überdurchschnittlich höheres Risiko an einem Burnout zu erkranken, als andere Berufsgruppen. Ebenfalls häufig betroffen sind Arbeitnehmer in leitenden Positionen.
Unter dem Burnout-Syndrom wird ein Krankheitsbild verstanden, das sich durch psychische und physische Symptome auszeichnen kann. Die Betroffenen leiden oft unter Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit und einem allgemeinen Gefühl der Handlungsunfähigkeit, neben anderen möglichen Symptomen. Auch psychosomatische Konsequenzen können auftreten: Herzrasen, Rückenbeschwerden oder häufige Krankheit durch eine geschwächte Immunabwehr in Folge von Dauerstress können vorkommen. Auch das Unfallrisiko steigt, sowie das Potential für eine Suchtgefährdung. Betroffene greifen gern zu Medikamenten, Alkohol oder Tabakprodukten, um Ihre Symptome zu mindern.
Es gibt berufsbedingte Faktoren, die Burnout begünstigen. Diese sind zwischenmenschliche Extremsituationen im Berufsalltag, eine verantwortungsvolle Position in einer oberen Hierarchieebene sowie Entscheidungsgewalt, hoher zeitlicher und inhaltlicher Arbeitsaufwand, extreme Leistungsanforderungen und eine Doppelbelastung durch Familie und Beruf.
Geschlechtsspezifische Belastungen
Frauen sind doppelt so oft von einer psychischen Erkrankung aufgrund ihres Berufsalltags betroffen als Männer. Dieser Zusand wird durch häufige Doppelbelastung der Frauen begünstigt. Sie leisten neben ihrem Beruf jeden Tag rund eineinhalb Stunden mehr Fürsorgearbeit als Männer. Sie kümmern sich um Kinder, pflegen Angehörige und managen den Haushalt. Das Gefühl des „überall gebraucht seins“ ist oftmals eine unheimliche Belastung für die betroffenen Frauen. Der Druck, Familie und Beruf vereinbaren zu müssen, wird aber auch oft von außen erzeugt. Viele Unternehmen haben tatsächlich ziemlich wenig Verständnis für Frauen, die auch Verpflichtungen außerhalb ihres Berufs haben.
Ein weiterer Aspekt sind erhebliche Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Oft sind es genau die Branchen mit hohem Frauenanteil, die ein besonders niedriges Lohnniveau aufweisen. Das schafft eine innere Unzufriedenheit. Ein schlecht bezahlter Beruf sorgt aber auch für private Existenzprobleme, die eine enorme psychische Belastung mit sich bringen können.
Die BAUA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) hat zu dem Thema „unterschiedliche Arbeitsbelastungen von Frauen und Männern“ eine sehr Interessante Publikation herausgebracht, die sie hier finden.
Menschen mit Migrationshintergrund
Des Weiteren spielt oft die Herkunft der betroffenen Person eine Rolle. Immer mehr hochqualifizierte Mitarbeiter stammen aus dem Ausland. Waren es 2007 noch 13,6 Prozent, sind es 2017 bereits 18,7. Und trotzdem werden berufstätige Migranten benachteiligt. Die Bezahlung ist oft schlechter und es gibt keine einheitlichen Anerkennungen der Abschlüsse. Daher darf hochqualifiziertes Personal in seinem Beruf oft gar nicht arbeiten. Aber auch wenn diese Personen eine Stelle gefunden haben, ist sie oft nicht mit demselben Anspruch verbunden, was zu einer Demotivation und Lustlosigkeit führen kann. Oder das Gegenteil ist der Fall: Menschen mit Migrationshintergrund werden nicht ausreichend in ein Unternehmen integriert und können ihren Beruf in Folge von Sprachbarrieren und sozialer Ausgrenzung nicht zufriedenstellend ausüben. Damit entsteht Frust und Überforderung bei der betroffenen Person. Aus dieser Situation kann im schlimmsten Fall eine Depression entstehen.
Altersbedingte Aspekte der psychischen Belastung
Einige Beanspruchungen kommen erst im fortgeschrittenen Alter eines Arbeitnehmers hinzu. Diese sind aber nicht weniger ernst zu nehmen. Durch jahrelange körperliche Beanspruchungen bleiben Verschleißerscheinungen nicht aus. Diese können den Mitarbeiter zusätzlich auch psychisch sehr belasten. Das Gefühl, nicht mehr zu genügen, seine Arbeit körperlich nicht mehr bewältigen zu können und somit potentiell seinen bisherigen Arbeitsplatz zu verlieren, macht vielen Mitarbeitern im höheren Alter große Sorge. Einige haben die Befürchtung, dann von jüngeren Mitarbeitern abgelöst und quasi „aussortiert“ zu werden. Der ältere Mitarbeiter empfindet zusätzlich immer mehr Stress. Die subjektiv wahrgenommene Stresszunahme in den letzten zwei Jahren nimmt mit dem Alter immer weiter zu und bleibt schließlich auf einem hohen Niveau.
Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen sind ältere Fachkräfte durch ihre langjährige Erfahrung unentbehrlich. Ihre Gesundheit und Zufriedenheit spielt auch für die Qualität ihrer Arbeit eine große Rolle und ist somit essenziell für die Firmen. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, unsere Kunden bei der Inklusion und Förderung dieser Angestellten zu unterstützen.
Psychische Belastung ist immer individuell
Bei all diesen objektiv wirkenden Faktoren bezüglich dem Thema psychische Gesundheit und Demografie ist bei der Interpretation Vorsicht geboten. Psychische Belastungen werden subjektiv wahrgenommen und dürfen nie verglichen werden. Nur weil eine Person mit Ihrer Arbeitssituation gut zurechtkommt, bedeutet das nicht, dass es andere genau so geht. Das Erleben psychosozialer Belastungen ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Daher ist die psychische Belastung ein Thema, dem unheimlich viel Bedeutung und Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, da Generalisierungen hier sehr schwierig sind. Grundvoraussetzung für einen konstruktiven Umgang mit dem Thema psychsoziale Gesundheit ist vor allem eins: Eine offene, vertrauensvolle Kommunikation mit den Angestellten sowie eine entsprechende, inklusive Unternehmenskultur, die Menschen jedwelcher demografischer Hintergründe wertschätzt und ins Unternehmen integriert.
Wir freuen uns darauf, in den nächsten Wochen weitere Informationen sowie handfeste Hilfen für Sie bereitzustellen, um Sie für das Thema psychische Gesundheit und Demografie weiter zu sensibilisieren und Sie und Ihre Mitarbeiter bestens gegen psychische Belastungen zu wappnen!
Dieser Blogbeitrag wurde verfasst durch Laura Fischer.
Stand 11.03.2021


