Die ständige Impfkommission (STIKO) hat am 19.08.2021 ihr aktualisiertes 33. Epidemiologisches Bulletin herausgebracht. In diesem empfiehlt sie nun erstmals die Impfung bei Kindern und Jugendlichen von 12-17 Jahren. Schon länger war diese Neuerung im Gespräch, da Kinder von einer Lockerung der Corona-Regeln explizit profitieren sollten. Schulen, Freizeitvereine und andere Institutionen könnten nun neue Hygienekonzepte aufstellen, die der Jugend eine aktive soziale Teilhabe wieder erleichtern – denn kaum etwas ist so wichtig für Jugendliche. Wir stellen nun die wichtigsten Fakten zur neuen STIKO-Empfehlung zur Covid-19-Impfung für Kinder einmal zusammen.
Seit wann dürfen Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden?
Die Europäische Kommission hat bereits am 31.05.2021 auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) den Comirnaty Impfstoff für Personen ab 12 Jahren zugelassen. Spikevax von Moderna darf ab dem 23.07.2021 verwendet werden.
Die STIKO empfahl die Impfung bisher allerdings nur für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die folgende Außnahmen erfüllten: Spezifische Vorerkrankungen, Zusammenleben mit Menschen, die sich nicht selber schützen können oder Jugendliche mit einem arbeitsbedingt erhöhten Expositionsrisiko.
Mittlerweile gibt es aber so viele geimpfte Kinder, bei denen die Impfwirkungen und Nebenwirkungen ausgewertet werden konnten, dass die STIKO die Vorteile des Impfschutz gegenüber den Nebenwirkungen als deutlich überwiegend sieht. Daher hat sie jetzt eine uneingeschränkte Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen.
Ob und wann Sie Kleinkinder in Deutschland impfen lassen können, ist derzeit noch unklar. Eine offizielle Empfehlung wird wohl frühestens dann ausgesprochen, wenn genug Erfahrungen mit dem Impfen von Kindern ab 12 Jahren und Jugendlichen in Deutschland gesammelt worden sind. Vorher muss es überhaupt erst einmal eine Zulassung der Europäischen Kommission für Kinder unter 12 Jahren geben.
Warum sollten wir Kinder mit der Corona-Impfung impfen lassen?
Kinder erwartet im Normalfall, im Vergleich zu Erwachsenen, ein relativ milder Verlauf der Corona-Infektion. Das kann sich allerdings unter bestimmten Umständen schnell ändern. Kinder mit Vorerkrankungen sollten Sie definitiv impfen lassen. Diese Empfehlung wurde vor einiger Zeit schon herausgegeben. Dennoch könnten unglückliche Umstände, wie beispielsweise eine Kombination aus einer anderen Infektion und der Corona-Infektion ein vorher gesundes Kind zu einem Intensivpatienten machen. Auch die Long Covid Folgen sind bei Kindern bisher nicht wirklich abzusehen. Bei Erwachsenen, die Corona gut überstanden haben, wurden jedoch recht häufig Langzeitfolgen bis zu einem Jahr nachgewiesen – auch bei jungen, vormals gesunden Personen.
Kinder können Corona-Regeln noch nicht so befolgen, wie sie von uns Erwachsenen empfohlen werden. Abstand zu halten fällt Kindern beispielsweise sehr schwer und die Trennung von Klassen und Gruppen in Schulen und Kindergärten ist daher erforderlich. Durch die Impfung von Kindern wäre eine Lockerung solcher Maßnahmen eventuell möglich, was den Kindern eine gewisse Unbeschwertheit und viel Lebensqualität zurückgeben würde.
Welche Dosierung erhalten Kinder? Und wie viele Corona-Impfungen?
Die Impfung ist, wie bei den Erwachsenen auch, ein mRNA-Impfstoff. Dieser ist entweder der Impfstoff Corminaty der Firma Biontech oder der Impfstoff Spikevax der Firma Moderna. Nur dieser ist für Kinder und Jugendliche zugelassen worden. Vektorimpfstoffe wie von Astra Zeneca hingegen nicht.
Die Dosierung dieser Impfstoffe wird an die Körpergröße und das Immunsystem von Kindern angepasst. Demnach gibt es für die Kinderimpfungen auch mehrere Variationen für verschiedene Altersklassen. Laut STIKO wird, wie auch bei den Erwachsenen, eine zweifache Immunisierung empfohlen.
Gibt es eine Impfpflicht für Kinder?
Nein, diese gibt es in Deutschland für Kinder, genauso wie auch für Erwachsene nicht. Die Impfung dient dem Schutz des Kindes, aber auch dem solidarischen Gemeinschaftsschutz. Denn ein Kind kann eine bereits gesundheitlich geschwächte Person genauso anstecken wie ein Erwachsener.
Allerdings spricht sich die STIKO ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung für die Teilnahme an sozialen Aktivitäten gemacht wird.
Welche Nebenwirkungen können bei Kindern nach der Corona-Impfung auftreten?
Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden bei Kindern bisher kaum beobachtet, obwohl allein in den USA und Kanada bereits 12 Millionen Impfungen an Kinder und Jugendliche verabreicht worden sind. Eine Nebenwirkung, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnte, ist die Herzmuskelentzündung. Diese wurde bei 1:16.000 (Jungen) und 1:110.000 (Mädchen) nach der zweiten Impfung beobachtet. Diese ist jedoch bei medizinischer Versorgung gut behandelbar und ein unkomplizierter Verlauf wahrscheinlich. Außerdem hat eine groß angelegte Studie aus Israel ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit einer Herzmuskelerkrankung bei einer Erkrankung mit Covid-19 deutlich höher ist. Sollten Sie innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung Nebenwirkungen wie Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder ein erhöhter Puls bei sich oder ihrem Kind feststellen, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt.
Wo können Sie ihr Kind mit der Corona-Impfung impfen lassen?
Kinder können sich wie Erwachsene beispielsweise im Impfzentrum impfen lassen. Diese bereiten sich gerade speziell auf die Impfung von Kindern und Jugendlichen vor. Aber auch beim Haus-, Kinder-, oder Facharzt ist eine Impfung gegen Covid-19 möglich. Auch Betriebsärzte haben die Möglichkeit, Kinder als Angehörige von Arbeitnehmern oder Kunden impfen zu lassen. Kommen Sie bei Bedarf gerne auf uns zu.
Haben Sie weitere Fragen oder Anregungen zu diesem Thema?
Wenden Sie sich gerne an uns, wir helfen Ihnen gerne weiter!
Dieser Blogbeitrag wurde verfasst durch Laura Fischer und Marlene A. Magerl.


